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Interviews

Thomas Siener, Foto © Sylvia Forsten10 Fragen an Thomas Siener // 2020

  1. Was ist Ihre liebste Spielstätte in Berlin?
    Die großen alten Kinos.
  2. Welche Kulturveranstaltung/Vorstellung haben Sie zuletzt besucht?
    Martha Argerichs Konzert in der Philharmonie Berlin: Fantastisch!
  3. Ihre Lieblingsgestalt auf der Bühne?
    Der Cellist Gautier Capucon Saint-Saens´Cellokonzert spielte er wunderbar
  4. Vorstellungstipp für Ihre Großmutter/Mutter oder Ihre Kinder?
    Das Märchen „Fridolin und das Heiligtum“ im Schloß Schönhausen
  5. Ihre außergewöhnlichste Erfahrung in Theater, Oper oder Konzert?
    Die tollen Konzerte im Boulez-Saal.
  6. Haben Sie einen Geheimtipp?
    Meine Lesungen mit Musik in der Confiserie Mamsell. Sehr angenehm im kleinen Rahmen und neu um die Ecke bei Oro Nero. Sehr italienisch mit sympathischen Besitzerinnen!
  7. Worüber haben Sie im Theater /Oper/Konzert zuletzt herzlich gelacht?
    Bei meinem eigenen Konzert in der Kirche, als ich die Noten in der Sakristei vergaß.
  8. Worüber haben Sie sich im Theater/Oper/Konzert zuletzt schwarz geärgert?
    Für mich ist es immer interessant, auch wenn mal nicht alles klappt.
  9. Wo trifft man das interessanteste Publikum?
    Bei zeitgenössischen Musikaufführungen
  10. Auf welche Vorstellung freuen Sie sich? Die Oper Pique Dame von Tschaikovski in der Deutschen Oper Berlin

"Okay, dann probiere ich mal die Harfe."

Thomas Siener hat Klavier studiert und wollte Cembalist werden. Doch kam es ganz anders

Ob es wirklich an der Großmutter und an der Tante lag, dass Thomas Siener Musik studiert hat, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Aber beeindruckt haben sie ihn als Kind schon. Die Oma, wenn sie auf Hochzeiten das „Ave Maria“ gesungen hat, und die Tante mit der „Königin der Nacht“ aus Mozarts Zauberflöte. Überliefert ist auch, dass er schon als Kind auf dem Klavier Terzen gesucht hat. Mit acht Jahren erhielt er erstmals Klavierunterricht, und mit 17 begann er sein Studium der Musik mit dem Schwerpunkt Klavier in Saarbrücken. Im Lauf der Zeit wurde die Harfe zu seinem Hauptinstrument.

Das war so nicht geplant. Nach Saarbrücken wollte Thomas Siener sein Studium an der Musikhochschule Detmold fortsetzen und sich auf das Cembalo konzentrieren. Doch dann verabschiedete sich der von ihm favorisierte Dozent unerwartet in den Ruhestand. „Okay, dann probiere ich mal die Harfe; das ist ein besonderes und seltenes Instrument“, dachte er sich. Für den Wechsel vom Tasten- zum Zupfinstrument gab es aber noch einen anderen Grund: Sieners damalige Freundin war Harfenistin. Von Detmold ging es weiter zum Pariser Konservatorium „Hector Berlioz“. Hier studierte er als Stipendiat bei Brigitte Sylvestre, einer Meisterschülerin der berühmten französischen Harfenistin Lily Laskine. Nach seiner letzten Ausbildungsstation Stuttgart wurde es 1988 Zeit für den Umzug nach Berlin.

Der Musiker tritt mit seinen Programmen rund um die Harfe solistisch, im Duo und gern in Verbindung mit anderen Künsten wie Malerei und Literatur auf. Im Orchester hat er gespielt unter anderem in Berlin mit dem Deutschen Sinfonieorchester und mit den Wiener Sinfonikern. Es reizt ihn aber mehr, seine speziellen Programme vorzustellen.

Seine neusten Programme: Kurzgeschichten von Anton Tschechow. Zwei Jahre lang suchte Thomas Siener und unzähligen Geschichten vier Kabinettstückchen des berühmten Dichters aus und kombiniert sie mit russischer Musik von ihm für die Harfe arrangiert. Abwechslungsreich auch Meine Gedichte – Meine Musik. Hier dürfen die Zuhörer durch das Ziehen von Gedichtkarten den Programmablauf bestimmen.

Viel Spaß machen Thomas Siener selbst und auch erwiesenermaßen seinen Zuhörern die fast kabarettistischen Programme Melancholie und Frohsinn mit Renaissancemusik oder das Programm Tod und Teufel mit „gar schröcklichen“ Geschichten.

Sehr spannend ist auch die Kombination von Malerei und Musik in diversen Programmen, in welchen Gemälde besprochen und ihre verschlüsselten Symbole zum Teil auch mit Musik besprochen werden.

Mit seinem vielfältigen Angebot erreicht der in Neustadt an der Weinstraße geborene Harfenist alle Altersgruppen. Kinder liegen ihm besonders am Herzen. Für die Kleinen hält er gleich mehrere Märchen bereit, darunter die von ihm selbst verfassten Abenteuer des Harfenkäfer Fridolin.

Acht Instrumente

Thomas Siener, der auch Harfe unterrichtet, tritt vorwiegend in Berlin auf. Unter anderem spielte er schon in der Philharmonie, im Französischen Dom, im Konzerthaus am Gendarmenmarkt oder in der Spandauer Zitadelle. Ihn reizen aber auch die vielen kleineren Veranstaltungsorte wie die Berliner Dorfkirchen oder Museen. Die Berliner Auftritte haben zwei entscheidende Vorteile: keine Übernachtungen und keine aufwendigen „Schwertransporte“ für die schwergewichtigen Instrumente, von denen acht in seinem Musikzimmer stehen. Thomas Siener sieht sich mit seinen verschiedenen Harfen in der Tradition der keltischen Barden, der Minnesänger oder französischen Troubadoure. So lässt er in seinen Solokonzerten neben der im Orchester gespielten großen Konzertharfe auch mittelalterliche Schnarrharfe, Renaissanceharfe, schottische Metallsaitenharfe oder die keltische Harfe erklingen.